Die Automobilindustrie Kroatien 

Die Automobilindustrie in Kroatien ist zwar kleiner als die Branchen in Mittel- oder Westeuropa, gewinnt jedoch in den letzten Jahren erheblich an strategischer Bedeutung. Das Land positioniert sich zunehmend als Standort für Hightech-Produktion, Elektromobilität, Engineering-Dienstleistungen und Zulieferketten mit hoher Spezialisierung. Mit dem Aufstieg von Rimac Automobili hat Kroatien zudem einen der weltweit wichtigsten Player im Bereich elektrischer Hypercars und Batteriesysteme hervorgebracht.

 

1. Bedeutung der Automobilindustrie für die kroatische Wirtschaft

Die Automobilindustrie Kroatiens befindet sich im Ausbau. Während die klassische Massenfahrzeugproduktion fehlt, hat sich das Land in Nischenmärkten etabliert – insbesondere in den Bereichen Hochleistungselektronik, Antriebstechnologien, Softwareentwicklung, Forschung und Engineering. Die Branche schafft Tausende Arbeitsplätze, vor allem im Großraum Zagreb, Varaždin, Osijek und Split.

Hinzu kommen wachsende Investitionen internationaler Zulieferer, die Kroatiens Vorteil nutzen: flexible Arbeitskräfte, EU-Binnenmarkt, stabile Währung (Euro) und gut ausgebaute Logistikwege entlang der Adria.

 

2. Struktur der kroatischen Automobilindustrie

Wesentliche Säulen:

  • Elektromobilität & High-Performance Engineering
    Rimac Automobili ist das bekannteste Beispiel. Das Unternehmen ist Weltmarktführer bei elektrischen Hypercars und Batteriesystemen und betreibt Forschung, Entwicklung und Produktion in Kroatien. Mit dem Bau des neuen Rimac-Campus entsteht eines der größten Automotive-Innovationszentren Europas.

  • Zulieferindustrie & Komponentenfertigung
    Zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen produzieren:

    • Kabelbäume

    • Metallkomponenten

    • Spritzgussteile

    • Elektronikbauteile

    • Interieur- und Kunststoffkomponenten
      Diese Firmen exportieren vor allem nach Deutschland, Österreich, Italien und Tschechien.

  • Engineering-Dienstleistungen
    Kroatische Entwickler arbeiten im Auftrag internationaler OEMs an:

    • Software für Fahrassistenzsysteme

    • Embedded Systems

    • Batteriemanagement

    • Leistungselektronik

    • Leichtbaukonstruktionen

  • Forschung und Start-up-Ökosystem
    Zahlreiche Tech-Start-ups entwickelt Lösungen für E-Mobilität, intelligente Sensorik, erneuerbare Energien und autonomes Fahren.

 

3. Arbeitsmarkt und Ausbildung

Die Automobilindustrie generiert gut qualifizierte Arbeitsplätze, vor allem in den Bereichen:

  • Elektrotechnik

  • Softwareentwicklung

  • Maschinenbau

  • Werkzeugbau

  • Mechatronik

Universitäten in Zagreb, Rijeka und Split arbeiten eng mit Unternehmen zusammen und bieten Programme im Automotive Engineering, was den Fachkräftebedarf langfristig sicherstellen soll.

 

4. Herausforderungen der Branche

Obwohl Kroatien technologisch stark ist, steht die Branche vor mehreren strukturellen Hürden:

1. Fehlende Großserienproduktion

Kroatien besitzt keine klassischen Fahrzeugfabriken – dies begrenzt Skaleneffekte und Arbeitsplatzzuwächse.

2. Wettbewerb um Fachkräfte

Der demografische Wandel und die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte in reichere EU-Staaten erschweren den Personalaufbau.

3. Abhängigkeit vom Export

Rund 90 % der produzierten Komponenten gehen in den EU-Export – wirtschaftliche Schwankungen im Ausland wirken sich sofort aus.

4. Investitionsdruck

Um im E-Mobility-Bereich weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben, sind hohe Investitionen in Forschung, Batterietechnologien, Digitalisierung und Infrastruktur notwendig.

 

5. Chancen und Perspektiven

Trotz Herausforderungen hat die Automobilindustrie Kroatiens außergewöhnlich gute Wachstumschancen:

1. Europäisches E-Mobility-Zentrum

Mit Rimac, dem neuen Campus und der starken Elektro-Kompetenz könnte Kroatien zu einem der wichtigsten europäischen Standorte für:

    • Elektroantriebe

    • Batteriesysteme

    • Hochleistungsfahrzeuge

    • Fahrzeug-Software

    • Forschung und Prototyping

2. Zuzug internationaler Zulieferer

Immer mehr europäische Unternehmen verlagern Fertigung und Engineering nach Kroatien, um vom EU-Standort, den niedrigeren Lohnkosten und dem hohen Talentniveau zu profitieren.

3. Wachstum im Bereich Fahrzeugsoftware

Kroatische Softwareingenieure sind europaweit gefragt – besonders für ADAS, autonomes Fahren und Batteriemanagement.

4. Ausbau maritimer Logistik

Mit den Häfen Rijeka und Zadar entstehen neue Drehkreuze für Import/Export von Fahrzeugkomponenten im Mittelmeerraum.

 


 

Unser Fazit

Die Automobilindustrie Kroatiens ist klein, aber hochinnovativ und dynamisch. Während klassische Fahrzeugproduktion fehlt, hat sich das Land als europäisches Zentrum für Elektromobilität, High-Tech-Engineering und spezialisierte Zulieferteile etabliert.

Mit dem starken Wachstum im E-Mobility-Segment, einer innovationsfreundlichen Regierungsstrategie und internationalen Investitionen besitzt Kroatien das Potenzial, seine Rolle in der europäischen Automotive-Landschaft deutlich auszubauen und zu einem führenden High-Tech-Standort zu werden.